Grundsätzlich ist das Konzept der teilgebundenen Ganztagsschule richtig, wird für die Zukunft aber kaum ausreichen. Der Weg führt zum vollen Ganztagsangebot an allen Wochentagen. Das zeigt auch die Entwicklung in benachbarten Ländern. Und da haben die Schulleitungen schon eine gute Vorarbeit geleistet. Wie sieht es aber mit den Bedingungen aus, damit es gelingt sowie der Akzeptanz der Eltern und Kinder?
Recht auf Ganztag
Denn es gibt „nur“ das Recht auf Ganztag und nicht die Pflicht zum Ganztag. Das Elternrecht zur Wahl der Schulform/-art kann nicht ausgehebelt und umgangen werden. Für eine Kommune bedeutet es, sie müsste sowohl verlässliche Grundschule, und zumindest offenen Ganztag anbieten, um die gesetzlichen Grundlagen zu erfüllen. Tut sie das nicht, so können die Eltern, die weiterhin die verlässliche Grundschule wählen, ihr Kind an eine Schule einer benachbarten Gemeinde anmelden. Der Landkreis zahlt dann zusätzlich den Transport und die Gemeinde Söhlde vielleicht Schulgeld an die andere Gemeinde. Da unsere Nachbarn mit den gleichen Problemen „kämpfen“, werden sie sich natürlich für die zusätzlichen Aufgaben bedanken. Wir leben ja nicht isoliert auf einer Insel.
Investitionen
Die baulichen Sanierungen, Umbauten und Erweiterungen sind mit 8,6 Millionen Euro für die nächsten 3 Jahre geplant. Das betrifft nur die reinen Baukosten, mit Ausstattung und Grünanlagen werden 10 Millionen vielleicht ausreichen. Gleichzeitig steigen die Unterhaltungskosten, z.B. für das Personal Mensa, Reinigung usw.. Wie hoch werden die laufenden Kosten erwartet? Und wer kümmert sich um die Vertragsgestaltung mit Kooperationspartnern, der Ferienbetreuung und von AGs?
Personelle und finanzielle Ausstattung
Ganztagsschulen benötigen mehr Personal, Lehrer wie auch Pädagogische Mitarbeiter (PM). Schon jetzt „leiden“ wir unter Lehrermangel, ebenso erhalten PMs meist befristete Verträge. Das macht diese Arbeit nicht attraktiv. Und was geschieht z.B.am Freitagnachmittag?
Wir arbeiten seit 3 Jahren im Bereich Kita mit dem Ganztagsanspruch und konnten einige Verbesserungen erreichen, aber immer wieder scheitert eine wirkliche Lösung am Personalmangel und an fehlenden Finanzierungen (siehe Kita-Vertrag).
Wird das in den Schulen nicht ebenso sein? „Die Gesamtmaßnahme aus Bundes-, Landes und Schulträgermitteln nach dem Schlüssel 70:15:15 bürdet den Kommunen Lasten auf, die nicht von allen zu schultern sind (vgl. www.nsgb.de) (Nds Schuleiterverband „Mandalas statt Mathe). Vor allem ist die aufsteigende Finanzierung nicht abgesichert. Droht uns hier eine den Kitas vergleichbare Situation?
Belastung der Lehrer, PMs, Eltern und Schüler
Wenn immer wieder von der Überlastung der Lehrer/innen (ebenso PMs) gesprochen und dieses beklagt wird, so bedeutet ein völliger sofortiger Umstieg mit gleichzeitig zusätzlichen baulichen Veränderungen und zurzeit ungenügenden Räumlichkeiten eine deutlich höhere Belastung auch für die Eltern und Kinder. Ist das leistbar und ist das nicht noch eine höhere Belastung für alle?
Warum kann es in der Übergangsphase nicht wie aus der Erfahrung Kita funktionieren? Wer sein Kind mittags abholen möchte, holt es ab und wer am Ganztag teilnimmt, eben später. Dabei bleibt es richtig, dass der zumindest teilgebundene Ganztag das richtige Ziel ist. Aber dazu müssen die Bedingungen und die Akzeptanz stimmen- und zwar für alle.
Vereinbarung Landkreis
Die vorliegende Vereinbarung mit dem Landkreis über Finanzierung, Übernahme von Kosten für Hort und die Verantwortlichkeit für die Gestaltung des Rechtsanspruches an die Gemeinden ist nach erstem Lesen ein Fortschritt zum Kitavertrag, wird aber noch genauer betrachtet werden. Die Erfahrungen könnten über das begleitende Gremium zu einer gerechteren Finanzierung führen.
Fazit
Die Ausgestaltung des Rechtsanspruches bedarf einer intensiven Begleitung durch Verwaltung und Rat, dabei eben auch die gesetzliche Vertretung durch den Schulträger im entscheidenden Gremium, dem Schulvorstand (§ 38 c NSchG). Ob man dies der Verwaltung überlassen sollte, halte ich in der augenblicklichen Situation für falsch. Der Rat sollte die internen Diskussionen in den Schulen begleiten.
In Söhlde haben wir uns intensiv mit dem Ganztag auseinandergesetzt und von den Unabhängigen ist gemeinsam mit dem Bürgermeister ein tragbarer Kompromiss für Schulen und Eltern erarbeitet worden.
So wird die GS Söhlde teilgebunden, weil hier in Kooperation mit der benachbarten Oberschule die Voraussetzungen geschaffen werden können. Die GS Nettlingen bleibt Offene Ganztagsschule, es ist seit Jahren ein funktionierendes System und anstehende personelle und bauliche Veränderungen würden es eher gefährden. Die GS Hoheneggelsen verfügt noch nicht über bauliche Voraussetzungen, hat einen neuen Schulleiter und zurzeit einen gewachsenen Hort.
Das haben wir mit CDU, FDP, und Grünen am 22.01.2026 im Rat so entschieden. Alle daraus entstehenden Möglichkeiten können durch die Eltern, schulischen Gremien und dem Rat in Zukunft gemeinsam entwickelt werden.
gez. Uwe Meinhardt