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Gedanken zu den Sportstätten |
Veränderungen müssen sein, aber als Reaktion auf neue Bedingungen und Erkenntnisse in der betreffenden Sache. Die Vorschläge der Stadt Hildesheim zur Neugestaltung der Sportflächen lassen diese Hintergründe nicht erkennen.
In der Öffentlichkeit wird der Eindruck erweckt, dass die Sportvereine einen ungeheueren Mitgliederschwund hätten, Vereine vor dem finanziellen Exitus stehen und nur Zusammenlegungen und neue Konzepte den Sport am Leben erhalten können.
Dieses ist falsch. Die Sportvereine haben keinen Mitgliederschwund. Im Gegenteil:
vom 01.01.2006 bis zum 01.01.2007 ist die Anzahl der Mitglieder in den Hildesheimer Sportvereinen von 28.878 auf 29.035 gestiegen. Einzelne Sportarten unterliegen natürlich einer Schwankung. Darauf zu reagieren, ist Sache der Vereine. Selbstverständlich müssen die Sportanlagen auch diesen Veränderungen angepasst werden. Das war schon immer so, und ist ein dynamischer Prozess, der auch immer so sein wird.
In erster Linie sind Vereine keine Wirtschaftsunternehmen! Kostenoptimierung, Globalisierung (ein Verein für die Region) und Steigerung der Marktanteile sind nicht Vereinszweck. Vereine sind Freizeit, Spaß, Hobby, Kontakte, aber auch Gesundheit und Sozialarbeit.
Sicher ist es wichtig, dass es in Hildesheim große namhafte Sportvereine gibt, die bundesweit mit den Spitzenmanschaften mithalten können. Auch das ist ein Stück Lebensqualität und Freizeitwert für Hildesheim. Für die Masse der aktiven und passiven Sportler ist ein überschaubarer Verein (oder Sparte), in dem man sich „zu Haus“ und zugehörig fühlt, wesentlich wichtiger. Vereine, für die das gilt, sind für die Gesellschaft, besonders für die Jugendlichen, unverzichtbar.
Daraus ergibt sich die Frage, welchen positiven Effekt eine neue sogenannte Bezirkssportanlage als Sportstätte für mehrere Vereine erzielen soll.
Einleuchtend ist, dass Ausnutzungsgrad, Wartung und Pflege unter Kostengesichtspunkten optimiert werden können. Das gilt aber nur, wenn es bei den betroffenen Vereinen keinen großen Mitgliederschwund auf Grund der Veränderungen gibt. Völlig unberücksichtigt bei diesen Überlegungen bleiben die Fahrtkosten bzw. Fahrtmöglichkeiten der Sportler zu den Sportstätten. Die Einsparmöglichkeiten, die erst einmal berechnet werden sollten, werden aber sicher nicht in der Größenordnung zu erzielen sein, die eine Finanzierung einer neuen Sportanlage ermöglichen. Außerdem gehen die Meinungen über die Größe der Fläche, die denn eingespart werden könne, weit auseinander. Der Beweis für einen Überschuss an Sportflächen fehlt.
Inwieweit der Zuschuss der Stadt Hildesheim zur Pflege der Sportstätten zurückgefahren werden kann, ist folglich unklar. Die Kosten, die die Vereine selber aufbringen sind ohnehin ihre eigene Angelegenheit und nicht die des Hildesheimer Stadtrates.
Eventuelle Vermarktungsmöglichkeiten jetziger Sportflächen (z.B. als Bauland für die allgemein bekannten Hildesheimer Investoren) gehören nicht in diese Überlegungen hinein. Bauland – sofern erforderlich – gibt es reichlich an anderer Stelle. Der Nachweis, dass die potentiellen Flächen erforderlich und sinnvoll sind, ist in keiner Art und Weise geführt. Mit dem Phönix-Gelände und dem Gelände des ehem. Städtischen Krankenhauses stehen reichlich innerstädtische Flächen zur Verfügung. Alles, was in großem Stil darüber hinausgeht (siehe auch Südsee) sind substanzlose Hildesheimer Luftschlösser. Es ist ohnehin fraglich, ob größere Erschließungsflächen zurzeit benötigt werden. Die Sanierung vorhandener Bausubstanz sollte Priorität haben..
Es ist allgemein bekannt, dass Vereine und Sport ein wesentlicher Bestandteil von präventiver Sozial- und Integrationsarbeit sind. Alle Verantwortlichen wissen, dass hier ein Nachholbedarf besteht und keinesfalls ein Einsparungsbedarf. Klar ist auch, dass das hier eingesetzte Geld- sofern es an der richtigen Stelle eingesetzt wird – an anderer Stelle ein Vielfaches einspart.
Ein Verein, der in einem Ortsteil angesiedelt ist, fördert dort das Gemeinschaftsgefühl. Die Mitglieder kennen einander, die Anonymität wird durchbrochen, die Bereitschaft zum persönlichen Einsatz wächst. Der Standort spielt eine wichtige Rolle, die Größe der Gruppe auch. Jahrzehnte lang war es wichtig und richtig, Sportanlage ausgewogen in Gebiet der Stadt zu verteilen, DJK Blau-Weiß Hildesheim hat unter diesen Gesichtspunkten einen absolut vernünftigen Standort.
Abschließend sei erwähnt, es nicht Sache der Verwaltung der Stadt Hildesheim den Bürgern vorzuschreiben, wie und wo sie ihr Vereinsleben gestalten.
Uwe Steinhäuser
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